Arzneistoffe (Medikamente) – Überblick der verschiedenen Anwendungsformen

Geschrieben von medinout Redaktion - INFOBLATT am 06.10.2016
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Medikamente werden in verschiedenen Formen angeboten und angewendet, da sich so ihre Wirkstoffe optimal am richtigen Ort und zum sinnvollsten Zeitpunkt entfalten können.

  • Herkömmliche Tabletten und Kapseln
    Der Wirkstoff wird im Magen oder Darm aufgenommen. Die Tablette muss mit viel Wasser eingenommen werden, damit sich der Wirkstoff gut aus seiner Umhüllung auflöst. Retardtabletten geben die Substanzen langsamer nach und nach ab und sorgen so für länger anhaltende Linderung.
  • Schmelztabletten
    Diese Tablettenart ist gut für Schmerzpatienten mit Schluckbeschwerden geeignet. Man legt sie auf die Zunge, auf der sie sich schnell auflöst. Vorteil daran ist, dass ein Teil des Wirkstoffs dabei bereits über die Mundschleimhaut in den Blutkreislauf gelangt; die Wirkung setzt so schneller ein. Der Rest der aufgelösten Tablette wirkt dann über den Magen. Wasser ist für die Aufnahme nicht erforderlich.
  • Brausetabletten
    Auch diese Tablettenart ist gut für Schmerzpatienten mit Schluckbeschwerden geeignet. Die Brausetablette wird in ausreichend Wasser aufgelöst und hat den Vorteil, dass man keine Tablette schlucken muss und der Wirkstoff den Magen schneller passiert, als feste Tabletten.
  • Zäpfchen
    Sie werden über das Rektum eingeführt und schmelzen bei Körpertemperatur. Über die Schleimhaut wird dann der Wirkstoff innerhalb einer halben Stunde aufgenommen und entfaltet seine Wirkung.
    Zäpfchen sind geeignet für Menschen mit einem empfindlichen Magen, Sodbrennen oder Reflux, aber auch für Kinder oder Babys mit hohem Fieber, wenn eine Medikamentenaufnahme über den Mund erschwert ist. Zäpfchen müssen kühl gelagert werden (am besten im Kühlschrank), da sie vor allem aus Fetten bestehen.
  • Spritzen
    Der Wirkstoff wird entweder in die Blutbahn gespritzt und wirkt oft schon nach Sekunden; oder er wird in den Muskel injiziert und wirkt innerhalb von etwa zehn Minuten.
    Dadurch verteilt sich der Schmerzstiller besser im ganzen Körper. Manche Menschen reagieren dabei mit Übelkeit und selten auch mit Magenreizungen.
  • Salben
    Aufgetragen auf die Haut, dringt der Wirkstoff in tiefer liegende Gewebeschichten vor und entfaltet seine Wirkung an genau der Stelle, wo er benötigt wird.
  • Pflaster
    Wirkstoffpflaster setzen ihre integrierten Medikamente dosiert und kontrolliert auf der Haut frei und werden von dieser resorbiert; sie gelangen also ohne Umweg über Magen oder Darm ins Blut.
    Achtung! Bei Wirkstoffpflastern muss unbedingt die Dosierung beachtet werden, da sich eine Überdosierung unkontrolliert und gefährlich auswirken kann. Hier gilt es, neben der Verordnung oder der Packungsbeilage vor allem das Alter und das Gewicht des Anwenders zu beachten. Auch in der Schwangerschaft kann dies zu Risiken führen.
  • Wirkstoffpflaster sollen meist kühl gelagert werden.
  • Tropfen und Sirupe
    In der Medizin und Pharmazie werden Arzneimittel auch flüssig über den Mund verabreicht (peroral).
    Diese Form eignet sich in der Regel gut für Kinder.
    Zu diesen flüssigen Arzneiformen zählen Lösungen, Emulsionen und Suspensionen. Es gibt auch Pulver zur Herstellung von Suspensionen und Lösungen. Sollen nur kleine Mengen der Wirkstoffe eingenommen werden, werden diese wässrig gehalten und man spricht von „Tropfen“.
    Für größere Dosierungen eignen sich besser sogenannte „Sirupe“ (zum Beispiel Sirupus Simplex). Da die Wirkstoffe in höherer Konzentration oft unangenehm schmecken, haben Sirupe eine hohe Viskosität und sind süß im Geschmack gehalten. Deshalb enthalten sie Saccharose in einer Massenkonzentration von mindestens 45 %. Aus Gründen der Haltbarkeitsdauer gibt es auch Pulver und Granulate zur Herstellung von Sirupen.
    Medikamente in flüssigen Formen haben den Vorteil, dass sie sich im Verdauungstrakt rascher auflösen, wodurch sich die Wirkung schneller entfalten kann. Bei der peroralen Verabreichung kann der Arzneistoff außerdem bereits in der Mundhöhle resorbiert werden. Die Resorptionskapazität der Mundschleimhaut ist dabei jedoch begrenzt, weswegen sich vor allem Arzneistoffe eignen, die schon in sehr niedrigen Dosen wirksam sind.
  • Inhalator, Spray und Dampf
    Bei der Behandlung von Asthma, Bronchitis, COPD (Chronisch obstruktive Lungenerkrankung) und anderen chronischen oder akuten Atemwegserkrankungen findet das Inhalieren seine Anwendung, wodurch aerosole oder auch pulverförmige Medikamente in die oberen und unteren Atemwege transportiert werden können.
    Um in die Bronchien vordringen zu können, muss ein Wirkstoff möglichst fein vernebelt werden; denn bei grober Vernebelung gelangt er nur in die oberen Atemwege (zum Beispiel Asthma-Spray).
    Die älteste und einfachste Anwendung ist der Dampf, bei dem reines Wasser, oder ätherische Substanzen in heißem Wasser gelöst, über den entstehenden Wasserdampf vernebelt werden (siehe  Kopfdampf bei Stirnhöhlenentzündung und Bronchitis).
  • Globuli
    Als Globuli (lateinisch „die Kügelchen“) oder Streukügelchen wird eine kugelförmige Darreichungsform bezeichnet. Sie wird vor allem in der Alternativmedizin verwendet, also bei homöopathischen Arzneimitteln, der Bach-Blütentherapie oder bei Schüßler-Salzen. Globuli gibt es dabei in verschiedenen Größentypen. Der Trägerstoff in homöopathischen Globuli ist meist Zucker; es gibt jedoch auch Globuli aus Xylitol oder nach Samuel Hahnemanns Rezeptur.
    Homöopathischen Arzneien nahezu aller Verdünnungsstufen (in der Homöopathie „Potenzen“ genannt) spricht die gängige Schulmedizin derzeit noch jegliche Wirksamkeit ab, da diese angeblich keine oder allenfalls spurenweise vorhandene Wirkstoffe enthalten. Der Wissenstand vieler Ärzte ist, dass derzeit keine wissenschaftlichen Belege einer Wirksamkeit existieren und diese daher mit Scheinmedikamenten (Placebos) vergleichbar sind. Dies ist jedoch zumindest im Falle von Arnica-Globuli nicht korrekt, da in einigen Studien mittels Kernspintomographie nachgewiesen werden konnte, dass Neuropeptide im menschlichen Gehirn sich bei Verabreichung von Arnica-Globolis ebenso reaktiv aktivieren lassen, wie bei der Verabreichung von Arnica selbst.
  • Tinkturen, zum Beispiel Arnika Tinktur
    Als Tinktur bezeichnet man ein mittels Mazeration oder Perkolation aus pflanzlichen oder tierischen Grundstoffen hergestelltes Extrakt. Dabei ist nur die Verwendung von Wasser oder Ethanol in geeigneter Konzentration als Extraktionsmittel zugelassen. Auch andere Grundstoffe in alkoholischer Lösung, wie zum Beispiel Iod, werden als Tinktur bezeichnet, in diesem Fall als Iodtinktur.
    Tinkturen mit nur einem pflanzlichen oder chemischen Inhaltsstoff werden als Tinctura simplex (einfache Tinktur) bezeichnet, jene mit mehreren gelösten Substanzen dagegen als Tinctura composita (zusammengesetzte Tinktur).
  • Wickel
    Einen Wickel bezeichnet meist ein Tuch (aber auch Auflagen oder Kompressen), das auf einen Körperteil (Teilwickel) oder um den Körper (Ganzkörperwickel) gelegt oder gewickelt wird, wobei es mit kaltem beziehungsweise temperiertem Wasser oder einer Flüssigkeit durchfeuchtet oder mit einer Substanz bestrichen wurde. Wickel werden in der schulmedizinischen Therapie sowie auch als Hausmittel eingesetzt. Bekannte Beispiele hierfür sind der Halswickel sowie der Wadenwickel. Wickel werden typischerweise nur kurzzeitig angelegt, meist zwischen fünfzehn und sechzig Minuten; denn sie dienen ja nicht als Verband oder Pflaster, sondern zur Applikation von Wirkstoffen oder zum Erreichen physikalischer Wirkungen durch Wärme und Kälte.
  • Tee
    Als „Tee“ wird ein heißes Aufgussgetränk bezeichnet, welches aus unterschiedlichen Bestandteilen von Pflanzen zubereitet wird. Man unterscheidet dabei zwischen Kräutertees und Früchtetees. Die dabei verwendeten Pflanzenteile sind je nach Sorte der Pflanzen Blätter, Knospen, Blüten, Früchte, Stängel, Rinden oder auch Wurzeln. Medizinische Wirkstoffe werden beim Tee, genau wie bei der Tablette oder Tropfen, über die Mundschleimhaut, den Magen und den Darm aufgenommen.
  • Grundsätzlich gilt, dass Arzneitees nicht über einen längeren Zeitraum (max. ca. 6 Wochen) eingenommen werden sollten, da sie sich sonst negativ auf das natürliche Gleichgewicht des Immun- und Hormonsystems auswirken können. Es könnte passieren, dass die Organe durch die Wirkstoffe des Tees beeinflusst und erschöpft werden können.
    Im Vergleich zu Früchtetees ist ein Arzneitee somit kein Genussmittel.

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