Faszien – Orthopädie

Geschrieben von medinout Redaktion - INFOBLATT am 16.02.2016
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Faszien können der Grund für zahlreiche Beschwerden sein, darunter Rücken-, Schulter- oder Nackenschmerzen. Da sich Faszien ähnlich wie Muskeln zusammenziehen und entspannen können, kann man sie mit den unterschiedlichsten Methoden behandeln. In der Orthopädie gibt es zahlreiche traditionelle und alternative Therapiemöglichkeiten, um Faszien zu lockern oder zu unterstützen.

Kompressionsstrümpfe

Kompressionsstrümpfe sollen den Rücktransport des Blutes von den Beinen zum Herzen erleichtern. Sie üben Druck auf die Venen aus und sorgen dafür, dass sie zusammengepresst werden. Durch den höheren Druck können so auch schwache Venen das Blut zuverlässig zurück zum Herzen pumpen. So verhindern Kompressionsstrümpfe, dass sich Flüssigkeit in das Gewebe einlagern kann und die Beine anschwellen. Sie unterstützen somit die Stabilität des Gewebes und damit die Faszien: Wenn diese aufgrund erhöhter Flüssigkeitsansammlung in den Beinen überlastet sind, können sich Mikrorisse bilden. Hier kann der Strumpf zur Regeneration der Faszien beitragen, indem er durch die Kompression des Gewebes ihre Funktion teilweise übernimmt. Durch diese Entlastung können überdehnte Faszien sich wieder regenerieren.

Orthopädische Schuheinlagen

Viele Menschen leiden an Fußschmerzen – besonders Beschwerden in der Fersenregion sind weit verbreitet. Bei der plantaren Fasziitis entzündet sich die Faszie an der Stelle, an der sie am Knochen der Fußsohle ansetzt. Das kann durch Überlastung, eine Fehlstellung oder altersbedingt durch verminderte Elastizität ausgelöst werden. Dabei wird der Ansatz der Faszie am Knochen so stark belastet, dass sie sich entzünden oder sogar einreißen kann.

Um die Faszie zu entlasten, können orthopädische Schuheinlagen helfen. Sie reduzieren den Druck auf die Ferse und übernehmen durch ihre dämpfende Wirkung einen Teil der Faszien-Funktionen. Außerdem kann die Stellung des Fußes mit orthopädischen Schuheinlagen korrigiert werden, was die Spannung auf die Faszien reduziert. So wird das Gewebe entlastet und kann sich dauerhaft regenerieren.

Darüber hinaus gibt es neben den konventionellen orthopädischen Einlagen auch sensomotorische. Während die konventionellen Einlagen das Fußskelett stützen, sodass es wieder seine optimale Form bekommt, ist es jedoch lediglich eine passive Unterstützung. Ohne die passiven Einlagen fällt das Fußgewölbe wieder in die ursprüngliche Fehlstellung zurück. Bei sensomotorischen Einlagen wirkt jedoch zusätzlich die Stimulation von Triggerpunkten.

Injektionen

Im Kampf gegen Schmerzen können Injektionen manchmal die einzige Möglichkeit zur Linderung sein, wenn andere Methoden keine Wirkung zeigen. Gerade bei Beschwerden im Rückenbereich, im Nacken oder an den Schultern können verklebte Faszien der Grund für diese Schmerzen sein. Aufgrund von Fehlhaltungen oder Verspannungen kann das Gewebe sich verfilzen und schmerzhafte Entzündungen hervorrufen. Da Faszien zahlreiche Schmerzrezeptoren enthalten, kann dies Beschwerden verursachen, die auf den ersten Blick nicht erklärbar sind.

Oft sind solche Schmerzen resistent gegenüber anderen Behandlungsmethoden. Um die verklebten Faszien ausfindig zu machen, kann eine Ultraschallaufnahme helfen. Die lokalen Betäubungsmittel können dann direkt in die betroffenen Stellen injiziert werden. Je nach Befund können auch andere Wirkstoffe, wie Mikronährstoffe oder Neurotoxine wie Botox, in die Faszien gespritzt werden. Durch die Injektionen können sich die Verspannungen lockern und die Schmerzen gelindert werden.

Eine andere Therapiemöglichkeit sind Injektionen, die direkt in die Ansatzstellen von Faszien am Wirbel appliziert werden. Die enthaltenen Wirkstoffe setzen sich zusammen aus Betäubungsmitteln und einem Reizmittel. Dies soll eine geplante Entzündung im Gewebe hervorrufen, um so die natürlichen Heilungsprozesse anzuregen. Diese Methode wird Proliferationstherapie genannt und vor allem bei chronischen Rückenschmerzen angewendet.

Eine weitere Möglichkeit ist die Neuraltherapie, auch Quaddeln genannt. Hier wird davon ausgegangen, dass Schmerzen durch sogenannte Störfelder verursacht werden, die chronische Entzündungen verursachen. Durch die mehrfache Injektion von Betäubungsmitteln in die Störfelder sollen die Beschwerden beseitigt werden. Die Spritzen werden dabei in eine bestimmte Zone injiziert: Abhängig vom Ort des Schmerzes sind bestimmte Nerven für dessen Weiterleitung zum Gehirn zuständig. Um die Weiterleitung, und damit den Schmerz zu dämpfen, werden mehrere Applikationen in diese Zone gespritzt. Die Applikation der Wirkstoffe in die Faszien können Schmerzrezeptoren beruhigen oder blocken, die dort starke Beschwerden auslösen.

Es ist auch möglich, die Spritzen an die betroffenen Gelenke, Muskelansätze, Knochen oder Gefäße zu setzen, um die gewünschte Wirkung auf das Nervensystem zu erreichen. Führt dies nicht zu einer vollständigen Beschwerdefreiheit, können auch Wirkstoffe in die tiefer liegenden Ganglien gespritzt werden. Diese Nervenknoten befinden sich außerhalb des Wirbelkanals im sogenannten Grenzstrang.

Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT)

Neben der Behandlung von Harnleiter- und Nierensteinen kann die extrakorporale Stoßwellentherapie auch Schmerzen bei Muskel- und Sehnenerkrankungen lindern. Die Stoßwellen, die dabei in den Körper eindringen, verursachen bestimmte Schwingungen. Werden diese gebündelt und treffen auf Festkörper wie einen Nierenstein, nimmt dieser einen Teil der Energie auf und reflektiert die Schwingungen. Dadurch entstehen Kräfte, die den Festkörper zertrümmern können.

Dieser Mechanismus der fokussierten ESWT funktioniert nicht nur bei Nieren- und Harnleitersteinen, sondern auch bei verkalkten Sehnenansätzen. Bei der radialen ESWT dringen die Wellen nahe der Körperoberfläche in den Körper ein und wirken dort ähnlich wie eine Massage auf die Muskeln und Faszien. Hier können sie muskuläre Verspannungen und verfilzte Faszien lösen. Wissenschaftler gehen außerdem davon aus, dass die Stoßwellen die Freisetzung von Botenstoffen und die Aktivierung von Nervenzellen verursachen, welche körpereigene Reparaturprozesse anstoßen.

Tiefenlasertherapie

Tiefenlaser sind gebündelte Lichtstrahlen, die in den Zellen verschiedene Stoffwechselvorgänge aktivieren können – nicht zu verwechseln mit den Lasern in Augenheilkunde oder Chirurgie. Die Laserstrahlen dringen durch die Haut in den Körper, ohne dabei Verletzungen oder Schmerzen zu verursachen. Bei der Tiefenlasertherapie können tief liegende Gewebeschichten wie Faszien stimuliert werden. Ähnlich wie bei der Akupunktur stoßen die gebündelten Lichtstrahlen auf einen bestimmten Punkt, was zu einer Reaktion des Gewebes auf den Reiz führt.

Bei der Lasertherapie kommen zwei verschiedene Wellenlängen zum Einsatz: Eine Wellenlänge, die näher an der Körperoberfläche absorbiert wird und durch ihre wärmenden Effekte schmerzlindernd wirkt; eine zweite Wellenlänge, die tiefer ins Gewebe eindringt und dort den Stoffwechsel anregt sowie die Zellregeneration beschleunigt. Das kann gerade bei verklebten Faszien helfen, das Gewebe zu regenerieren.

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